Verfassung
Osnabrück, 3. August 2017

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Zweifel oder Glauben: Zwei Seiten einer Münze?

Bei meiner Konfirmation fragte der Pastor die Konfirmanden nicht nach ihrer Bereitschaft, ein Leben im christlichen Glauben zu führen. Seine Frage lautete, ob wir weiter nach Gott fragen, nach Gott suchen würden. Dazu konnte ich "Ja" sagen.

Wenn ich nach Gott frage, kommen mir auch schnell Zweifel. Zweifel an Gott, Zweifeln am Glauben. Hat der Glaube in einer modernen und aufge-klärten Welt denn noch Platz? Und schließen sich Glaube und Zweifel nicht gegenseitig aus? Pater Manfred Hösl erklärt in einem Interview: "Der Zweifel ist die Rückseite der gleichen Münze: Wo vorne der Glaube ist, ist hinten der Zweifel. Es sind zwei Geschwister, die eng miteinander verbunden sind."

Auch der "ungläubige" Thomas zweifelt. Erst als er die Wundmale Jesu mit eigenen Augen sieht, glaubt er. Doch Jesus begegnet seiner Skepsis verständnisvoll, nimmt seine Zweifel ernst.

Für mich sind Glaube und Zweifel im Zwiegespräch, beides entwickelt sich in Abhängigkeit voneinander. Vielleicht könnte man meinen Glauben auch als eine Auseinandersetzung mit dem Glauben oder eine Suche danach beschreiben. Ist das Glaube? Anselm von Canterbury argumentierte über: "Glaube, der den Verstand sucht". Und wenn es der Verstand ist, der nach dem Glauben sucht? Auch der bekannte Pater Anselm Grün kennt Zweifel: "Wenn ich den Unglauben zulasse, dann reinigt er den Glauben und fordert immer wieder heraus zu fragen: Was glaube ich denn wirklich?
Wer ist Gott?"

Corinna Küster