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Osnabrück, 24. Oktober 2017

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Thema - Weihnachten

Trautes Heim- Glück allein? Erfahrungen in Pittsburgh

Im Sommer 2009 gingen mein Mann Matthias, mein Sohn Vincent und ich für drei Jahre nach Sewickley, einem kleinen Ort am Ohio, ganz in der Nähe von Pittsburgh/PA. Unser erstes Weihnachten fern von der Familie!

Je näher der Dezember kam, desto mehr musste ich innerlich schlucken: Wie sollte das werden? Auch in den USA beginnt die “Season” früh in den Auslagen der Geschäfte und in den Vorgärten und Häusern der Menschen: nach Halloween verschwinden die Totenschädel und Gespenster und machen beleuchteten Rentieren und Kränzen an den Eingangstüren Platz.

Auch “Holiday-Sweater” sind sehr beliebt: mehr oder weniger schön verzierte Jacken (meine ist sehr schön!). Auch wir hingen einen Kranz an die Tür und einen Stern ins Fenster und ein Adventskalender kam von Vincents Paten per Post.

Und der Weihnachtsabend, der so ganz anders sein würde als sonst, rückte unaufhaltsam näher. Schweren Herzens kauften wir einen Weihnachtsbaum – denn sonst gibt es den jedes Jahr in Laatzen bei meinen Schwiegereltern. Unsere beiden Katzen, die wir im September bekommen hatten, fanden den Baum sehr interessant und zack kletterte Mona hinein und warf ihn dabei um! Zum Glück noch ohne Schmuck...

Am Heiligen Abend gingen wir in die lutherische Kirche – und da ging mir zum ersten Mal so richtig das Herz auf bei den vertrauten Klängen der Liturgie, die so war wie zu Hause, bloß in Englisch. Aber als wir dann später von zu Hause aus über Skype mit meinen Schwiegereltern telefonierten, bei denen sich alle versammelt hatten, da musste ich doch eine Runde heulen und konnte kaum “Frohe Weihnachten” wünschen.

Schön war, dass wir am ersten Weihnachtstag bei einem älteren Ehepaar eingeladen waren, das ich über die anglikanische Gemeinde kennengelernt hatte. Der 25.12. ist der eigentliche Festtag der Amerikaner, wo es morgens in Schlafanzug und Morgenmantel die Geschenke gibt (und höchstens ein kleines Vorabgeschenk in den Strümpfen am Kamin am Abend vorher). Wir aßen traditionellen Weihnachtsschinken und fühlten uns dort sehr wohl.

Was suchen wir also an Weihnachten? Vertraute Menschen, vertraute Orte, vertraute Abläufe, Gerüche, Geschmäcker und Melodien spielen eine große Rolle. Für unseren letzten amerikanischen Heiligabend haben wir uns die schlesischen Bratwürstchen zum Kartoffelsalat von einem deutschen Schlachter aus New York schicken lassen – ein bisschen irre, aber sehr lecker!!

Weihnachten hat für mich viel mit einem grundlegenden Gefühl von zu Hause sein zu tun. Wie wichtig das Vertraute ist, habe ich gemerkt, als das Unvertraute dazu kam. Und: In der Fremde werden liebe Menschen ungleich wichtiger als alles andere, neben der eigenen Familie sind das vor allem Menschen, die einen einladen, ihre Türen freundlich öffnen und einen ganz selbstverständlich aufnehmen in ihrem Zuhause.

 

Ina von Häfen