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Osnabrück, 2. Juni 2017

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ARBEITSPLATZ KIRCHENGEMEINDE - Wer wir sind. Was wir machen.

Blick hinter die Kulissen
DIE BERUFSWELT UNSERER KIRCHENGEMEINDE

Die Kirche ist nicht nur ein Ort, in dem Gottesdienste gefeiert werden. Es ist auch ein Arbeitsplatz. Ein Blick hinter die Kulissen zeigt, wie vielfältig die Berufswelt in einer Kirchengemeinde ist. Die bekannteste Berufsgruppe ist die der Pastorinnen und Pastoren. Doch gerade in einer großen Kirchengemeinde wie unserer gibt es mehr Akteure rund um den Kirchturm. Einige stellen sich ganz persönlich vor und geben einen Einblick, wie sie ihren Beruf verstehen und ausüben.

Menschen und ihre Konflikte verstehen
DER PASTOR ALS SEELSORGER

Das Wort Pastor ist lateinisch und bedeutet "Seelenhirt". Ein romantisches Bild: Ich soll "Hirt" für die "Schäflein" in meiner Kirchengemeinde sein. Schölerberg und Kalkhügel sind das "Weideland". Mit diesem traditionellen Berufsbild ist auch ein Gottesbild verbunden: das Bild von Gott als dem guten Hirten. Mit diesem Berufsbild verbinde ich Führung aber auch Beistand, übersetzt in die moderne Arbeitswelt: Gemeindeleitung und Seelsorge.

Das Pfarramt leitet die Gemeinde natürlich nicht allein, sondern gemeinsam mit dem Kirchenvorstand. In diesem Gremium arbeiten Hauptamtliche
und Ehrenamtliche eng zusammen und leiten demokratisch die Kirchen-gemeinde. In unserer Südstadtkirchengemeinde nehmen an dieser Arbeit
auch Diakone sowie Mitglieder des Kirchenkreistags teil.

Die Seelsorge betrachte ich persönlich als Hauptaufgabe meines Berufs. Im Alltag ist es vor allem die fallbezogene Seelsorge. Anlässlich einer Taufe,
einer Trauung oder einer Bestattung finden seelsorgliche Gespräche mit den Eltern, den Eheleuten oder den Angehörigen statt. Hier geht es darum,
Menschen an einer wichtigen Station in ihrem Lebenslauf professionell zu begleiten. Meine Geburtstagsbesuche bei Seniorinnen und Senioren sind
auch ein solches Gesprächsangebot. Im Alltag gibt es aber auch die "zufällige" Seelsorge zwischen Tür und Angel, beispielsweise wenn ich Menschen einen Lebensmittelgutschein ausstelle und mit ihnen über ihre Lebenssituation spreche. Die Aufgabe der Seelsorge bringt für mich Epiktet, ein antiker Philosoph, auf den Punkt: "Der Mensch hat zwei Ohren
und eine Zunge, damit er doppelt so viel hören kann, wie er spricht." Es geht darum, Menschen in ihrer Lebenswelt zu verstehen, ohne ihre Konflikte zu beurteilen. Diese Haltung eröffnet im Gespräch neue Handlungsspielräume.

Gemeindeleitung und Seelsorge sind jedoch nicht alles. Zum Berufsbild gehören beispielsweise auch die Verkündigung, der Konfirmanden-unterricht oder die Erwachsenenbildung sowie diakonische Aufgaben.

Der Herr ist mein Hirte,
mir wird nichts mangeln.
(Die Bibel, Psalm 23, Vers 1)

Jesus Christus spricht:
Ich bin der gute Hirte.
Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe.
(Die Bibel, Johannes, Kapitel 10, Vers 11)

Meine Ausbildung für diesen Beruf bestand aus zwei Phasen: einerseits nach dem Abitur das Studium evangelischer Theologie an der Universität,
andererseits das sogenannte Vikariat; das ist ein umfangreiches Praktikum. Beide Phasen habe ich jeweils mit einem Examen abgeschlossen. Diese
Ausbildung dauerte insgesamt zehn Jahre. Seitdem ich als Pastor arbeite, nehme ich jedes Jahr an Fortbildungen teil.

Alexander Wilken