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Auf ein Wort

Nachricht Osnabrück, 04. Mai 2018

Ich bin getauft

Es war im letzten Sommer im Urlaub in Wittenberg. In einer Seitenstraße lag der Erlebnisraum Taufe unserer Hannoverschen Landeskirche. Neugierig gingen wir, mein Mann und ich, auf die Tür zu – und mussten erstmal etwas warten, bis ein paar BesucherInnen wieder herausgekommen waren. Dann öffnete sich auch für uns die Tür.

Drinnen ein Raum, ganz in blau und weiß gehalten, von ozeanischer Musik erfüllt, es gab blaue Sofas zum Sitzen oder Liegen, ein geborgener, geschützter Innen-Raum, in dem alle schweigend den eigenen Gedanken und Gefühlen nachgingen. Als Impulse gab es an den Wänden Bibelverse wie diese: „Du bist mein geliebtes Kind, an dir habe ich Freude” (Die Bibel, Mt 4,17) oder „Denn ihr alle, die ihr getauft worden seid und dadurch zu Christus gehört, habt Christus angezogen. Es spielt keine Rolle mehr, ob ihr Juden seid oder Griechen, Sklaven oder freie Menschen, Männer oder Frauen.”

Dazu Bilder. Ein weißer Flügel, eine Kerzenflamme, ein zartweißes Taufkleid mit Lochstickerei. Über einem Holztisch hing ein Ausspruch von Martin Luther: „Dass ein christlich Leben nichts anderes ist als eine tägliche Taufe, einmal angefangen und immer darin gegangen.“ Auf dem Tisch eine Glasplatte mit weißer Schrift: „Ich bin getauft.“ Mit einem weißen Boardmarker konnten alle, die wollten, etwas dazuschreiben. Ich schrieb: „Im Wasser beginnt alles Leben – das Baby schwimmt im Bauch der Mutter und wird dann geboren – und auch die Taufe ist wie eine neue Geburt – hin zu einem Leben mit Gott“.

Dann kamen wir in einen zweiten Raum, in dem ein Film lief auf einer gebogenen Leinwand, so dass Musik und Bilder einen fast ganz umgaben: aus einem Punkt heraus die Schöpfung des Universums und der Erde mit ihren Wassern, aus Lichtfunken wurden Menschen. Menschen, die sich verändern, die versteinern und zerbrechen, und die dann wieder eintauchen, untertauchen, sich verwandeln, bis sie am Ende ganz aus Lichtpunkten bestehen. „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“
Nichts geht verloren. Die Liebe ist stärker als der Tod. Das ist unsere Hoffnung.

Der letzte Raum war hell, ein alter Taufstein stand darin, an der Wand der Auftrag des Auferstandenen: „Geht hin und lehrt Menschen aller Völker. Tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie halten alles, was ich euch aufgetragen habe. Und siehe, ich bin bei euch bis ans Ende der Welt.“
Eine Mitarbeiterin sprach einen Segen zu, ich benetzte mich mit dem Wasser aus dem Taufstein und ging nach draußen in die Sonne, beschenkt mit einem Stück Kreide, falls ich mir das mal wieder vor Augen halten muss: Ich bin getauft. Manche hatten es gleich an die Mauer gegenüber geschrieben.

Ina von Häfen