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Osnabrück, 2. Juni 2017

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Kirchenmusik

Kantor Jörg Spaude

Als Kantor (lateinisch "cantare" = singen) bezeichnet man den Vorsänger oder Chorleiter im Gottesdienst und Konzert. Er ist für die Kirchenmusik
in der Gemeinde verantwortlich, wobei Kantoren in der evangelischen und katholischen Kirche ein Kirchenmusikstudium absolviert haben müssen.

Die Aufgaben sind: das liturgische und konzertante Orgelspiel (in Gottes-dienst und Konzert, meist am Sonntagvormittag und gegebenenfalls
nachmittags und an den kirchlichen Hochfesten, wie zum Beispiel Weihnachten und Ostern); die Begleitung des Gemeindegesangs; Chor-
und Orchesterleitung / Dirigieren (wöchentliche Probe bis 22 Uhr, da viele SängerInnnen berufstätig sind); Leitung einer Gemeindeschola (einmal im Monat mit einer Probe); Probe mit dem Posaunenchor oder einem
Instrumentalensemble; die Durchführung musikalischer Proben mit Gesangs- oder Instrumentalsolisten (circa eine Stunde, die Zeiten und Tage
werden gemeinsam vereinbart); die Organisation, Verwaltung und Durchführung von geistlichen Konzerten (Solisten anschreiben, Konzertprogramme erstellen, Honorare anweisen, also Arbeiten am PC) und die Ausbildung nebenamtlicher Kirchenmusiker (Orgelunterricht, Klavierunterricht). Auch die Pflege, Wartung, Stimmung und Reparatur von
Instrumenten in der Kirche und im Gemeindesaal gehört in das Aufgabenfeld eines Kirchenmusikers. Hier gibt es Orgel- und Klavierbauer, Fachleute mit besonderen Kenntnissen, langjährigen Erfahrungen und handwerklichem Können.

Da Ingolstadt/Oberbayern meine Heimatstadt ist, begann meine Ausbildung 1989 an der Fachhochschule für Kirchenmusik in Bayreuth. Hier lernte ich
bei Meisterkursen zahlreiche renommierte Orgelprofessoren kennen und konnte mein Orgelspiel durch viel Üben an unterschiedlichen Instrumenten
verbessern und verfeinern. Nach 2 Jahren habe ich die höchste neben-amtliche Prüfung (C-Schein) bestanden und im Laufe der Zeit spielte ich die anspruchsvollen und schönen Orgelwerke weltberühmter Komponisten, wie zum Beispiel Johann Sebastian Bach und Max Reger. Kurz vor der zweithöchsten hauptamtlichen Prüfung (B-Examen) wechselte ich an die Hochschule für Musik in Detmold und konnte hier mein Orgelspiel bei Professor Weinberger immens weiterentwickeln. 1996 beendete ich das Studium mit der höchsten hauptamtlichen Prüfung (A-Examen) und wurde staatlich geprüfter Diplom-Kirchenmusiker. Die Regelstudienzeit beträgt zehn Semester. Einschließlich der Studienzeit in Bayreuth studierte ich insgesamt 13 Semester Kirchenmusik.

Nach dem A-Examen folgte ein Praktikumsjahr für Kirchenmusik an St. Jakob in Rothenburg ob der Tauber, wo ich nicht nur die bodenständige Gemeindearbeit erfuhr, sondern an der großen Orgel viele anspruchsvolle Orgelwerke in Konzerten und Gottesdiensten vor internationalem Publikum spielte. Nach dem Praktikumsjahr erhielt ich die Anstellung als Kirchen-musiker an der Lutherkirche Osnabrück sowie einen Lehrauftrag an der Universität.

An der Lutherkirche gibt es nun seit über 15 Jahren die Konzertreihe „Orgel & mehr“, den Lutherchor, die Schola und viele Gesangs- und Instrumental-solisten, die den Gottesdienst und das Konzert kirchenmusikalisch verschönern und zugleich den Charakter einzelner Sonn- und Festtage im Kirchenjahr hörbar betonen.

Der Beruf des Kirchenmusikers ist deshalb interessant, weil man durch Chöre, Solisten, Kollegen und Gemeindemitglieder viele Menschen kennenlernt, Gemeinschaft erlebt und gute Musik mit Laien und Profis machen kann. Dabei ist viel Freiraum für die Umsetzung eigener musikalischer Ideen und Interessen. Hauptamtliche Kantoren erhalten eine
gute Bezahlung. Mit dieser Tätigkeit bewegt und begeistert man Menschen durch Musik und sie ist nicht zuletzt eine weitere Ausdrucksmöglichkeit
des Glaubens.

Jörg Spaude