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MARIA * Wer ist Maria?

24. November 2021

MARIA * Wer ist Maria?

Maria  evangelisch
Hat Maria im evangelischen Glauben eine Bedeutung? Die Verehrung von Heiligen gehört für viele Protestanten jedenfalls nicht unbedingt zum Kernbestand ihres Glaubens. Durch die Taufe sind wir schließlich alle Heilige. Gleichwohl es gibt Menschen, die wir besonders ehren, indem wir z. B. die Kirchen unserer Gemeinde nach ihnen benennen: Der Evangelist Lukas, Martin Luther, früher auch Philipp Melanchthon.

Die Augsburgische Konfession von 1530 formulierte in 28 Artikeln, was evangelisch- lutherischen Glauben ausmacht – eine Bekenntnisschrift. Der Artikel 21 scheut sich gar nicht, vom Umgang mit bestimmten heiligen Persönlichkeiten zu sprechen und davon, was sie für uns bedeuten können. „Vom Heiligendienst wir von den Unseren so gelehrt, dass man der Heiligen gedenken soll, damit wir unseren Glauben stärken, wenn wir sehen, wie ihnen Gnade widerfahren und auch wie ihnen durch den Glauben geholfen worden ist; außerdem soll man sich an ihren guten Werken ein Beispiel nehmen […] Maria und die Heiligen sind Zeugen von Gottes Kraft und Gnade, die durch Menschen wirken. An ihrem Vorbild können wir unseren Glauben stärken und uns ein Beispiel nehmen für unser eigenes Handeln.

Ein evangelisches Marienlob kann diesen Gedanken aufnehmen. Martin Luther schreibt in seiner Auslegung zum Magnificat, dem Lobgesang der Maria in Lk 1,46-55: „Maria ist im ganzen menschlichen Geschlecht eine einzigartige Person, der niemand gleicht, denn sie hat Gottes Sohn geboren.“ Sie wir als Jungfrau schwanger von Gott, so schreiben es Matthäus und Lukas. Dieser lässt Maria sagen: „Wie soll das zugehen, da ich doch von keinem Manne weiß?“ Was Maria widerfährt, ist außergewöhnlich. In der Art jedoch, wie Maria mit dem Außergewöhnlichen umgeht, liegt das Vorbildhafte für uns. Sie sieht nämlich Gott am Werk. Der Engel des Herrn sprach zu Maria: „Gegrüßet seist du, Hochbegnadete. Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, des Namen sollst du Jesus heißen. Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben“. Der Name Jesus bedeutet: Der Herr befreit. Maria antwortet dem Engel: „Siehe ich bin die Magd des Herrn, mir soll geschehen, wie du gesagt hast.“ Glauben beginnt mit dem Bewusstsein, dass wir nicht Gott sind. Glauben heißt, empfänglich zu sein für die Stimme Gottes. So wie sich Maria öffnete für Gott: „Mir geschehe, wie du gesagt hast.“ Nachdem sie zu Gottes Plan ja gesagt hat, kann mit Jesus das Heil in die Welt kommen. Insofern kann Maria uns Beispiel sein für ein Leben, das die Existenz Gottes ernst nimmt und sich auf Gottes Willen ausrichtet.

Maria weiß von Armut, Hunger und Ausbeutung. Aber sie weiß auch von Gottes wunderwirkender Anwesenheit in der Geschichte Israels. Sie sieht vor sich, wie ihr Kind, Davids Sohn, der Welt Gottes Heil verkündet, kräftig in Wort und Tat. Dieser königliche Mensch wird die Armen sehen. Unterdrückten wird er Befreiung schenken, indem er die Unterdrücker zerschmettert. Überheblichkeit, Macht und Habsucht sollen nicht das letzte Wort haben. Maria betet: „Gott übt Gewalt mit seinem Arm und zerstreut, die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn. Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niederen. Die Hungrigen füllt er mit Gütern und lässt die Reichen leer.“ (Lk 1,52-53). Die Zuversicht Marias rechnet fest damit, dass die Welt mit all ihren Widersprüchen und Schrecken nicht so bleiben muss, wie sie ist. Wir dürfen mit Gott rechnen. Gott wird Mensch in Jesus Christus und kommt in diese Welt, um sie zu verändern und zu erlösen. Das feiern wir zu Weihnachten. Marias Vorbild kann uns zeigen, wie wir uns bereitmachen können, um uns für den Heilsplan Gottes als Werkzeuge zur Verfügung zu stellen.

Dietmar Otte