Vorerst keine Gottesdienste

Erklärung des Kirchenvorstands zu Gottesdienstfeiern

»Wann feiern wir denn wieder Gottesdienste?« Diese Frage hören wir in den letzten Tagen immer häufiger. In den Medien ist fast täglich davon die Rede, in anderen Bundesländern sind öffentliche Gottesdienste bereits wieder möglich.

Wir haben in der Kirchenvorstandssitzung vom 07. Mai und zuvor in der Hauptamtlichenrunde ausführlich über diese Fragen beraten. Darüber hinaus haben wir die Meinungen und Wünsche aus Teilen der Gemeinde aufmerksam wahrgenommen.

Nach Abwägung aller Argumente und im Wissen darum, dass viele Nachbargemeinden im Kirchenkreis zu anderen Entscheidungen gekommen sind, werden wir auch weiterhin keine öffentlichen Gottesdienste im klassischen Sinn feiern. Wir stellen die Solidarität mit all jenen, die zur Risikogruppe der älteren und kranken Menschen gehören höher, als unseren unbedingten Wunsch nach öffentlichen Gottesdiensten. Außerdem sind wir eher in einem Boot mit großen Playern wie Theater und Kinos, für die immer noch das Schließungsverbot gilt. Mit Baumärkten, in denen die Menschen mit Masken und Einkaufswagen bestückt eine halbe Stunde auf den Einlass warten um dann grübelnd vor den Schraubenregalen zu stehen, ist Kirche nicht zu vergleichen. Uns ist durchaus bewusst, dass wir mit unserer Entscheidung die Erwartungen mancher Gemeindeglieder enttäuschen. 

Neben der erwähnten Solidarität und Fürsorge haben wir uns als weiteres Kriterium eine praktisch-theologische Frage gestellt: Ist unter den Hygieneauflagen unserer Landeskirche und den logistischen Bestimmungen (Sicherheitsabstand, Höchstzahl der Teilnehmer, ggf. sogar nur nach Anmeldung, Verbot von Gesang, Verbot der Feier des Abendmahls) wirklich das erfahrbar, was die Feier eines Gottesdienstes zu einem atmosphärischen Erlebnisort macht? Konkret: Wie kann unter diesen Bedingungen wirklich Gemeinschaft gelingen? Wie frei kann ich mich fühlen, wie viel Angst belastet mich?

Diese Fragen und Eindrücke spiegeln die intensive Auseinandersetzungen zur Sache unserer Verantwortungsträger wider.

Aus unseren Überlegungen leiten wir folgende Schritte ab:

Schritt 1:
Wir verzichten bis auf weiteres auf öffentliche Gottesdienste im klassischen Sinn.

Schritt 2:
Wenn sich neue Perspektiven eröffnen (z.B. der Wegfall von Beschränkungen und Auflagen), feiern wir wieder gerne und mit Freude öffentliche Gottesdienste.

Schritt 3:
Als Alternative bieten wir andere Gottesdienstformen an.

Wir bieten zur Zeit zweimal die Woche Videogottesdienste an, die auf unserer Homepage abgerufen werden können. Diese werden ergänzt durch „Sonntagsgrüße“ in schriftlicher Form, die als Newsletter per Mail, in gedruckter Form per Post oder Auslage im Portal der Lutherkirche zur Verfügung stehen. Außerdem halten wir sowohl über Socialmedia als auch ganz analog per Post Kontakt zu vielen unsere Gemeindeglieder.

Der Verzicht auf die öffentliche Form hat uns dazu gebracht, neu über die Vielfalt von Gottesdienstmöglichkeiten nachzudenken. Bis zu den Sommerferien feiern wir den „Gottesdienst-to-go“ zur Gottesdienstzeit. Haupt- und Ehrenamtliche bringen, frei nach dem Missionsbefehl „Geht hin in alle Welt und verkündet allen das Evangelium“ (Mt. 28, 19), unterschiedlichen Gruppen Geschenke verbunden mit einem persönlichen Gruß. Unsere Senioren können nach Anmeldung jeden Monat ein Stück Kuchen bekommen, Tauffamilien bekamen einen Musik-CD, Angehörige von Verstorbenen eine Rose… Bis zu den Sommerferien haben wir jeden Sonntag so thematisch gefüllt.

Auf diese Weise sind wir Männern und Frauen, Alten und Jungen zum Teil näher gekommen, als bisher. Theologisch gesprochen zeigt sich Kirche und damit christliche Gemeinschaft dort, wo sich Menschen begegnen. Der Ort ist letztlich zweitrangig.

Wir werden die Lage sehr genau im Blick behalten und kurzfristig reagieren. Wenn sich also zeigt, dass Lockerungen vertretbar und möglich sind, können wir sehr schnell zur Feier der Gottesdienste zurückkehren.

Wir bitten Sie alle, diesen Weg mitzutragen und mit uns darauf zu hoffen und zu beten, dass wir bald wieder in unseren drei Kirchen zusammenkommen können!

Wenn Sie uns Ihre Meinung sagen möchten, ob zustimmend oder ablehnend, dann melden Sie sich bitte direkt in den Pfarrämtern!

Für den Kirchvorstand und das Pfarramt

Pastor Hilko Danckwerts

 

Beschluss des Kirchenvorstands vom 7. Mai 2020

Pastor Hilko Danckwerts
Tel.: 0541 571900