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Gedanken zum Neuen Jahr

Nachricht Osnabrück, 30. Januar 2020

Das Jahr 2019 liegt hinter uns, die
Adventswochen und die Weihnachts-
tage sind wieder schnell vergangen.
Wie war das für Sie in diesem Jahr?
Haben sich Ihre Erwartungen erfüllt?
Oder kam etwas anders als Sie es
geplant hatten? Haben Sie ein wenig
Fantasie? Dann stellen Sie sich einmal
Folgendes vor:

Die Weihnachtstage sind vorbei. Das
Jahr 2020 hat begonnen und Sie wollen
zur Arbeit aufbrechen. Plötzlich
entdecken Sie auf dem Teppich in der
Diele den schmutzigen Hufabdruck eines Esels. In einer Ecke im Wohnzimmer liegt noch ein vergessener Hirtenhut. An der Tür zur Küche klebt noch das dicke Wollbüschel eines Schafes. Als Sie den Hausflur betreten, sehen Sie ein helles Licht, das wie ein Stern leuchtet, und Sie hören die Schreie eines kleinen Kindes. Und überall umgibt Sie ein fremder Stallgeruch. Sie werden das Gefühl nicht los: „War hier die Krippe? War hier die Geburt Christi? In meinem Haus? In meiner Mietswohnung? Maria und Josef, das Kind, Ochs und Esel, Hirten, Licht und Sterne.“ „So ein Quatsch!“ werden Sie sagen. Aber … wo denn sonst? Wo sonst hätte die Geburt Jesu heute einen sinnvolleren Platz als da, wo wir leben?

Nehmen wir doch die Weihnachtsbotschaft mit ins neue Jahr. Weihnachten
findet auch im Jahr 2020 jeden Tag aufs Neue da statt, wo Menschen tolerant sind, wo Menschen einander zuhören, wo Menschen respektvoll miteinander umgehen, Fremden vorurteilsfrei begegnen, wo Liebe den Hass besiegt, wo Menschen die Schöpfung bewahren, wo sie etwas von ihrem Überfluss abgeben, überall in der Welt Bildung ermöglichen und dazu beitragen, dass Jedermann in Würde alt werden kann, wo Menschen sich dafür einsetzen, dass alle Menschen satt werden und Fluchtursachen bekämpfen, wo sich Menschen für Gerechtigkeit, Freiheit und Frieden ohne Waffen einsetzen.

Wie sieht es mit Ihren guten Vorsätzen für das Jahr 2020 aus? Denken Sie vor allem an sich – ich möchte gerne mein Gewicht reduzieren und des Öfteren einen Spaziergang machen – oder nehmen Sie bei Ihren guten Vorsätzen auch Ihre Mitmenschen, unsere Gesellschaft sowie die uns anvertraute Erde in den Blick? Überdenken Sie einmal folgenden Vorschlag: Nehmen Sie sich für das neue Jahr zunächst lediglich drei Dinge vor, die Sie dann aber auch durchhalten und lassen Sie sich nicht von den Miesmachern entmutigen. Bewahren Sie sich Ihre Zuversicht und tun Sie alles, was Sie tun, mit Liebe. Denn es gibt sie, die Liebe. Sie ist groß, trotzig und ungebrochen und steckt in uns allen, denn wir alle sind Kinder Gottes.

Hartmut Bruns