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Heimat als Sehnsucht nach dem Paradies

Nachricht Osnabrück, 12. März 2019

Heimat ist ein Sehnsuchtsort – wie der Glaube übrigens auch. So ein Ort ist für viele die Kindheit. Heimatvertriebene, die vor über 70 Jahren ihr Zuhause im Osten des Deutschen Reiches verlassen mussten, sprechen mitunter heute noch von ihrer alten Heimat. Besonders in der Kindheit haben sie dort Vertrautheit und Sicherheit erlebt. „Damals, als ich noch klein war, da war noch alles in Ordnung“, so sagen manche. Auch Menschen können Heimat geben, wenn ich mich bei ihnen aufgehoben fühle. Jedoch bleibt auch das nicht auf ewig. Freunde ziehen weg, in der Familie entfremdet man sich, liebe Menschen sterben. Was bleibt dann von „Heimat“ übrig?

Nach dem Glauben der Bibel ist nur Gott ewig, und als Christen vertrauen wir darauf, dass wir durch die Taufe Anteil haben an einer Heimat bei Gott. Wir sind nicht mehr Fremde, sondern Gottes Hausgenossen (Eph 2,19). Wenn wir Gottes Gegenwart in unserem Leben Raum geben – das ist ja Glauben – lassen wir uns von ihm finden und erfahren uns als beheimatet bei ihm. Bei aller Veränderung kann dieser Glaube unserem Leben ein festes Fundament geben und uns Heimat sein. Gott ist bei uns in unserem eigenen Leben, noch ehe wir ihn suchen. Das ist sicherlich auch der Grund dafür, dass es im Christentum keinen Ort gibt, wo Gott ganz exklusiv anwesend ist. Selbst an Orte des Lebens Jesu, wie z.B. Jerusalem, ist man Gott nicht näher oder ferner als anderswo.

Jesus verkündet das Reich Gottes, das mit ihm beginnt. Es ist kein Ort, sondern eher ein Zustand, wie unser Verhältnis zu Gott ist. In einem Gleichnis (Mk 4,26-29) vergleicht Jesus das Reich Gottes mit einer Saat, die durch Gott und ohne Zutun der Menschen wächst. In einem Lied zum Kirchentag 2019 (#lautstärke 5) heißt es: „Pilger sind wir Menschen, suchen Gottes Wort, unerfüllte Sehnsucht treibt uns fort und fort... Land der großen Hoffnung, Zukunft, die uns winkt, Gott in unserer Mitte, Sonne, die nicht sinkt. Gott schenkt uns Vertrauen und ein Arbeitsfeld. Er will mit uns bauen an einer neuen Welt.“

Das Reich Gottes ist die eigentliche Heimat eines Christen. Im Gottesdienst z.B. erfahre ich die Zusage der Gegenwart Gottes und habe daraus Zuversicht für mein Leben. Heimat bei Gott ist für die Bibel ein Sehnsuchtsort, der aber in der Zukunft liegt, nicht in der Vergangenheit unserer Kindheit. Heimat ist nicht das verlorene Paradies. Der Hebräerbrief sagt uns zu: Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern wir suchen die zukünftige (Hebr 13,14). Wir leben auf Gott hin, auch wenn Gott uns schon heute trägt. Am Ende werden wir in Gottes Wirklichkeit Heimat finden.

Dietmar Otte

Text von:

Dietmar Otte