Foto: Abrams

"Wenn ich meine Krippe sehe . . ."

Nachricht Osnabrück, 16. November 2019

Vor einem Jahr bekam ich zu Weihnachten einen kleinen Anhänger mit einer Weihnachtskrippe geschenkt. Bislang waren mir Weihnachtskrippen eher in katholischen Kirchen begegnet. Dort wird die Darstellung des in
der Krippe liegenden Kindes oft detailreich dargestellt.

Die Szene löste bei mir oft Fremdheit aus. Sie wirkt für mich wie aus der
Zeit gefallen, irgendwie wohltuend, aber auch befremdlich. Sie wirkt so „heile“ – fast zu „heile“, um wahr zu sein. Aber ist sie es wirklich? In der Mitte der Szene ist das neugeborene Kind. Alles scheint sich an diesem auszurichten. Doch was hat es mit diesem Kind auf sich? Woher kommt es? Wohin wird es einmal gehen?

Wieder spüre ich Fremdheit. Auf dem Anhänger ist die Szene ganz schlicht dargestellt, sie ist aufs Wesentliche reduziert. Maria und Josef knien vor dem neugeborenen Kind in der Krippe, voller Ehrfurcht und Andacht, angesichts des neugeborenen Kindes und dem Wunder des Lebens(-anfangs), dessen Zeuge sie gerade wurden.

Ein Moment, dem so viel Hoffnung innewohnt. Für Maria und Josef, aber die Hoffnung reicht weiter. Hier: Zu allen Christen. Denn hier wird ihr Erlöser geboren. Dieses Kind verheißt ihnen Hoffnung. Das Wunder des Lebens und die Hoffnung, die sich daraus für alle speist, gläubig oder nicht, verweisen über die dargestellte Szene hinaus.

Auch wenn die Szene die Geburt Jesu nur symbolisch darstellt, so finde ich in der Darstellung der Lebenswerdung – und für Christen der Menschwerdung Gottes – und der darin ausgedrückten Hoffnung einen Zugang zu ihr. Wenn die (Vor-)Weihnachtszeit im Trubel manchmal fast unterzugehen scheint, ist die dargestellte Szene auf dem Anhänger gerade in ihrer Schlichtheit ein angenehmer Gegensatz, eine Art Ruhepol, die mir mit einem Blick deutlich macht, worauf es eigentlich ankommt.

Corinna Küster