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Was ist Heimat?

Nachricht Osnabrück, 12. März 2019

Als wir im Redaktionskreis über Heimat sprechen, stellt sich heraus, dass jede und jeder von uns eine ganz besondere Beziehung zur Heimat seiner Kindheit hat: Diese sind: Warsingsfehn im Landkreis Leer, Dielingen in der Gemeinde Stemwede, Hasbergen im Landkreis Osnabrück und schließlich eine kleine Gemeinde in Oxfordshire/England.

Mit unserer Heimat verbinden wir die Landschaft, die diese Orte prägt, ihre Menschen, ihre Sprache. Das merken wir, wenn wir woanders sind, und dann heimkehren. Das Land wird flacher, macht sich breit, hier ist alles vertraut, hier bin ich zu Hause. Oder: schmale, buckelige Sträßchen mit Steinmauern an den Seiten und einzelnen Haltebuchten, durch die wohl nur die Einheimischen so gänzlich unbeirrt fahren können. In meiner Heimat da kenne ich mich aus. Johann Gottfried von Herder schreibt: „Heimat ist da, wo man sich nicht erklären muss.“ Vor allem scheint es da zu sein, wo man mir nichts erklären muss. Ich fühle mich vertraut, hier bin ich aufgewachsen oder habe eine entscheidende Zeit meiner Kindheit und/oder Jugend verbracht. In meiner Erinnerung trägt vielleicht alles einen gewissen Zauber, weil ich meine Umgebung mit den Augen eines Kindes gesehen und entdeckt habe. Hier fühlte ich mich zu Hause, bevor ich wusste, was Heimat beinhaltet. Vielleicht muss man erst fortgehen, um das zu wissen. Kehrt man später zurück, sieht man es vielleicht anders. Ich bin überrascht, der Weg zum Dorfladen war dann doch nicht ganz so weit, die Wege alle viel kürzer, der Zauber ein Teil der kindlichen Erinnerung. Doch das Gefühl von Heimat bleibt.

Auch wenn ich weiterziehe, fühle ich mich verbunden, bleibt dieses Wissen in mir. Wie die Ringe in den Bäumen, je nach Sommer oder Winter, hat sich das Land, seine Sprache in mir eingeprägt. Auch wenn sich Dinge verändern, wenn Orte vielleicht nicht mehr so sind, wie sie mal waren, oder sie vielleicht durch Krieg und Zerstörung endgültig jeden Zauber verlieren, kann uns diese Bilder keiner wegnehmen.

Wir können neue Heimaten finden, neue Orte, Landschaften und Menschen, die uns aufnehmen, denn letztendlich ist es etwas, was wir in uns tragen, dieses Wissen um die alte Heimat. Ich erkenne sie wieder, wenn plötzlich in der Bahn zwei Mitreisende die gleiche Sprache, den gleichen Dialekt sprechen. Dann ist auch da, fernab der alten Heimat, alte neue Heimat.

Corinna Küster